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Bergmanns - und Hüttenarbeiterverein Hüttersdorf

 

Im Jahre 1850 fanden sich in Hüttersdorf einige Bergleute mit dem Ziel der gegenseitigen Unterstützung im Notfalle zu einer Gemeinschaft zusammen. In Deutschland bestanden bis 1848 strenge Bestimmungen des Bundesbeschlusses vom 5. Juli 1832, wonach alle Vereine mit politischen Zwecken verboten und nicht politische Vereine geduldet waren. Die 1848 erfolgte Vereinsfreiheit führte zur Gründung einer Vielzahl von Vereinen. So entstanden Vereinsgesetze nach französischem Muster, die die Bildung von Vereinen und die Durchführungen von Veranstaltungen und Versammlungen zum Schutz vor Ausschreitungen einer strengen Obrigkeitskontrolle unterwarfen. Eine solche “Ausschreitung” war der Zug einer kleinen Schar von Anarchisten, die 1848 mit einer “Freiheitsfahne” zum Pfarrhaus von Hüttersdorf wollte, um von Pastor Hoffmann den Kirchenschlüssel als Zeichen der Gewaltübergabe zu verlangen.

 

Die Bestimmungen wurden im Bundesgesetz von 1854 weiter ausgedehnt, und alle Arbeitervereine und Verbrüderungen mit politischen, sozialistischen und kommunistischen Zwecken wurden verboten. Diese Umstände und der Wille, nur unbescholtene aufrechte Männer in ihren Reihen zu dulden, führten 1858 zum Zusammenschluß der Bergleute von Hüttersdorf - Buprich in der St. Barbara - Bruderschaft. Bei der am 21. April 1858 erfolgten formellen Gründung durch 20 Berg - und Hüttenleute unter Pastor Nikolaus Müller wird erwähnt, daß die Bruderschaft den 1850 gegründeten Verein mit dem Ziel der gegenseitigen Hilfeleistung fortsetzte.

 

Mit der Weiterentwicklung des Ortes Hüttersdorf gewann auch die Vereinigung, die sich seit Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts “Bergmanns - Sterbe - Unterstützungs - Verein” nannte, immer mehr an Bedeutung. Beim Tode eines Mitgliedes erhielt die Familie zum damaligen Zeitpunkt 90 Mark. Diese Summe wurde im Jahre 1900 auf 100 Mark erhöht.

 

Der “Bergmanns - Sterbe - Unterstützungs - Verein” mußte im Jahre 1904 zweimal seinen Namen und seine Satzung ändern und nannte sich ab dieser Zeit “Bergmannsverein Hüttersdorf - Buprich”.

 

Im Jahre 1904 hatte der Bergmannsverein 495 Mitglieder zu verzeichnen. Durch den Zusammenschluß des Hüttenarbeitervereins Hüttersdorf mit dem Bergmannsverein Hüttersdorf - Buprich im Jahre 1932 wurde der Verein in “Berg - und Hüttenarbeiterverein Hüttersdorf” umbenannt. Als äußeres Zeichen der Verbundenheit schafften die Urstifter des Vereins eine Fahne aus rotem Tuch mit dem Bildnis der Hl. Barbara an. Diese Fahne wurde bei Treffen und öffentlichen Auftritten mitgeführt. Eine zweite Fahne aus schwarzem Tuch wurde im Jahre 1862 angeschafft und durfte nur bei kirchlichen Feierlichkeiten und Beerdigungen mitgeführt werden. Zur Verschönerung der Pfarrkirche wurde im Jahre 1883 eine dritte Fahne aus blauem Tuch angeschafft. Keine dieser drei Fahnen ist heute mehr vorhanden.

 

Eine St. Barbara - Statue, die der Verein in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts gestiftet hatte, hat heute noch ihren Ehrenplatz in der Pfarrkirche Hüttersdorf.

 

Am 5. Juli 1908 fand das 50jährige Stiftungsfest auf der Wiese des “Ackerers” Nikolaus Scherer statt. Als Entgelt für die ausgefallenen Grummeternte mußte eine Platzmiete von 36,- Mark bezahlt werden.

 

Eine neue Vereinsfahne wurde am 14. Juli 1929 kirchlich geweiht. In Verbindung mit dem 80jährigen Bestehen des Vereins wurde die Fahnenweihe am 14. Und 15. Juli gebührend gefeiert.

 

Während der Jahre des Westwall - Baues und des Zweiten Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit.

 

Als nach dem Zusammenbruch der Verein förmlich neu gegründet wurde, nannte er sich “Verein der Berg - und Hüttenleute”.

 

Sein 100jähriges Bestehen feierte der Verein der Berg - und Hüttenleute im Jahre 1949 in kleinem Rahmen mit Kirchgang und einer abendlichen Tanzveranstaltung.

 

Eine am 21. Juli 1956 beschaffte neue Fahne erhielt ihren festen Platz in der Leichenhalle Hüttersdorf.

 

Das 105jährige Stiftungsfest feierte der Verein am 28., 29. und 30. Juli 1956 unter der Schirmherrschaft des damaligen Ministerpräsidenten Dr. Hubert Ney.

 

Beim Umbau der Pfarrkirche war die in den 90er Jahren gestiftete St. Barbara - Statue so beschädigt worden, daß sie nicht mehr repariert werden konnte. Am Barbara - Tag 1964 brachte der Verein daher eine neue St. Barbara - Statue feierlich zur Kirche. Am Ende dieses Jahres zählte der Verein 1771 Mitglieder.

 

Unter der Schirmherrschaft des Ministers für Wirtschaft, Verkehr und Landwirtschaft, Dr. Erwin Sinnwell, wurde in der Zeit vom 23. bis 26. Mai 1975 das 125jährige Bestehen des “Berg - und Hüttenarbeitervereins” Hüttersdorf gefeiert.

 

Als Vereinsvorsitzende sind ab 1892 folgende Personen bekannt:

 

Jakob Lehnert             (1892 - 1907)

Johann Neusius                        (1908 - 1925)

Friedrich Schmitt                        (1926 - 1954, dann Ehrenvorsitzender)

Paul Turner                              (1955 -1964, ab 1966 Ehrenvorsitzender)

Felix Woll                                (1965 - 1969)

Lorenz Schmitt - Klein (1970 - 1972)

Adolf Schneider                     (1972)

 

Der Berg - und Hüttenarbeiterverein Hüttersdorf entfaltet heute noch rege Aktivitäten und nimmt an vielen kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen teil.

Am 31.12.1966 zählte der Berg - und Hüttenarbeiterverein Hüttersdorf 1884 Mitglieder.

 
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